Josef Dieckhaus, Industrieller aus Papenburg

Josef Dieckhaus wurde am 2. Juli 1864 in Papenburg geboren. Nach ihm ist eine Straße benannt. Der ehemalige Familiensitz, die Villa Dieckhaus, ist heute im Besitz der Stadt

Josef Dieckhaus besuchte die Kirchschule und absolvierte das Gymnasium in Münster. Seine berufliche Ausbildung erhielt Dieckhaus im Bank- und Versicherungswesen. Nach dem Militärdienst gründete er 23-jährig am 3. Januar 1888 mit seinem Schwager am Hoffskanal die Firma Höveler und Dieckhaus (seit 1969 Kolbenschmidt GmbH, heute KS Gleitlager). Mit zehn Mitarbeitern legten die beiden Papenburger den Grundstein für das erste Weißmetall-Hüttenwerk in Europa. „Es war dem wirtschaftlichen Weitblick, der Schaffensfreude und den kaufmännischen Fähigkeiten des Josef Dieckhaus zu verdanken, dass H & D bereits 1890 Lagermetalle auch nach Übersee ausführte“, schreibt Hermann-Josef Döbber in „Straßen erzählen“.

Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte das Unternehmen bereits 150 Arbeiter, dazu kamen 30 Personen in Labor und Kontor. Im Jahr 1930 erweiterte Dieckhaus, der inzwischen Alleininhaber war, seine Fabrik durch ein Messingpresswerk, um der Wirtschaftskrise entgegenzuwirken und um den Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu sichern.

Dieckhaus war außerdem rund ein Jahrzehnt Besitzer der Firma F. C. Bauwens und der 1931 stillgelegten Papenburger Glashütte am oberen Bethlehemkanal. Bis zu seinem Tode am 18. Oktober 1935 war er Inhaber der Kornbrennerei Windus & Co. in Wietmarschen in der Grafschaft Bentheim. Der Gutshof in Papenburg, seit 1987 Areal des Golfclubs, wurde ebenfalls von Dieckhaus angelegt.

Der Papenburger bekleidete auch eine lange Reihe von Ehrenämtern. Er war Vorstandsmitglied der deutschen See-Berufsgenossenschaft Hamburg und stellvertretender Vorsitzender der Sektion 1 der Seeberufsgenossenschaft Emden. Dieckhaus erwarb sich Verdienste als Mitglied der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, der er bis zu seinem Tode angehörte. „Hier zeigte er sich als Kenner des Wirtschaftslebens und kluger Ratgeber“, heißt es bei Hermann-Josef Döbber.

Lange Jahre wirkte der Industrielle als Vorsitzender der örtlichen Handels und Schifffahrtsdeputation und stellte seine Arbeitskraft dem Stadtparlament von 1891 an zur Verfügung. In diesem Gremium war er von 1903 bis Ende 1914 „Bürgervorsteher-Wortführer“.

Eine hohe Auszeichnung wurde ihm 1913 mit der Verleihung des Titels eines königlich preußischen Kommerzienrat in Anerkennung seiner beruflichen Leistungen und ehrenamtlichen Tätigkeiten zu teil. „Er tat darüber hinaus vielen Menschen Gutes. Stiftungen und Spenden, wie die Schenkung des Grundstücks für den Bau des Kolpinghauses an der Kirchstraße, wurden in überreichem Maße ausgeteilt,“ heißt es in „Straßen erzählen“.

Wenn es auch im Nachruf in der Ems-Zeitung hieß, Dieckhaus habe stets daran gelegen, dass seine Guttaten nicht an die Öffentlichkeit kamen, so war seine Stifter- und Spendenfreudigkeit stadtbekannt. Das bestätigt die Festschrift zum Vereinsjubiläum des Rassegeflügelzuchtvereins Papenburg von 1877: „..drei Glocken für die St. Antonius-Kirche, Einrichtung und Innenausstattung des Saales des Bürgervorsteherkollegiums im Rathaus, Grundstück und Fassade des Gymnasiums“ habe Dieckhaus finanziert. Darüber hinaus heißt es in der Festschrift: „Der Rassegeflügelzuchtverein hat von diesem Vorsitzenden (Amtszeit 1894 bis 1902, dann Ehrenvorsitzender) in vielerlei Hinsicht profitiert(…). Bei der Stiftung von Preisen und in Notfällen (Käfiganschaffung) zeigte er sich großherzig.“

Der erfolgreiche Unternehmer habe mühevolle Kleinarbeit auf sich genommen und immer dafür geworben, nicht nur die Geflügelzucht im Auge zu haben, sondern auch darauf, heimische Singvögel zu schützen und „bei der hiesigen Jugend mehr Liebe für die Vogelwelt“ zu wecken, erinnert die Festschrift.

Villa Dieckhaus: Um die Jahrhundertwende ließ Josef Dieckhaus sein Elternhaus zu einer Jugendstilvilla umbauen. Vielen Papenburgern ist noch bekannt, dass sich hinter der Villa Hühner- und Gänsestallanlagen befanden. Seine Enkelin erinnert sich an ein „Riesengewimmel“ von legefähigen Hühnern, aber auch aparte Tiere wie Perl- und Seidenhühner.

Die Schauseite der Villa zeigt zum Hauptkanal und wird von einem spätgotischen Stufengiebel dominiert. Im Inneren des Gebäudes sticht das großzügige Treppenhaus mit Stukkaturen, Wandgemälden und bleiverglasten, farbig gefassten Fenstern ins Auge. Seit 1984 ist die Villa im Eigentum der Stadt Papenburg. Kulturamt und die Volkshochschule sind zurzeit für etwa ein Jahr ausgezogen, denn es stehen Umbau- und Neubaumaßnahmen an.

Quellen: https://www.noz.de/lokales/papenburg/artikel/namensgeber-josef-dieckhaus-tierfreund-und-industrieller-aus-papenburg-23865156/ Archiv der Ems-Zeitung; Hermann-Josef Döbber, Straßen erzählen; Claus Feiling/Reinhard Rolfes: „Die Entwicklung des Rassegeflügelzuchtvereins im Spiegel der Geschichte“; Homepage des Landkreises Emsland, Sehenswürdigkeiten, Stadt Papenburg.

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